Newsletter

Newsletter Nr. 1

Kurs für Genesungsbegleiter

 

Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt.

Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt.

Aldous Huxley

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde von EX-IN Hessen e.V.,

liebe Mitglieder von EX-IN Hessen e.V.,

am 6. April dieses Jahres hat sich EX-IN Hessen e.V. gegründet.

Ziel dieser Gründung war es, möglichst bald einen Kurs für Psychiatrieerfahrene anzubieten, der Menschen mit Psychiatrieerfahrung zu sogenannten Genesungsbegleitern ausbildet.

Es ist geglückt in Verbindung und Hilfe mit dem Idee-Verein Köln und der Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie in Marburg einen solchen Kurs auf die Beine zu stellen.

Am 17. Oktober findet in Marburg im Rathaus um 17:00 Uhr ein Informationsabend statt. Dort erfahren Sie alles weitere zum EX-IN-Kurs in Hessen: Was ist EX-IN? Wie ist ein solcher Kurs aufgebaut? Wer sind die KursleiterInnen? Dort erhalten Sie auch die Bewerbungsunterlagen, um sich für die Teilnahme am Genesungsbegleiterkurs verbindlich zu bewerben. Im Februar 2014 wird es ein Auswahlverfahren geben. Ende März geht die Kursarbeit los.

Genauer Infomationen sind unter Termine zu finden!

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Silke Behring
Beisitzerin im Vorstand
EX-IN Hessen e.V.
Vorsitzender: Andreas Jung, Marburg
Finanzen: Jan Kemmler, Marburg

 

Newsletter Nr. 2

EX-IN Hessen e.V. berichtet:

Licht

Licht breitet sich aus

Eine Kerze
Entzündet in der Dunkelheit
Gibt Licht
Sie erleuchtet
Läßt erkennen
Gibt Hoffnung

Eine Kerze

Auch Du
Kannst
So eine Kerze sein

Es ist Advent

© Gudrun Kropp (*1955), Lyrikerin, Aphoristikerin, Kinder- und Sachbuchautorin

Quelle: »Der empfindsame Weihnachtsbaum: Ungewöhnliche Geschichten, Gedichte & Gedanken zur Advents- und Weihnachtszeit«,

Carmen-Verlag, 2005

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde von EX-IN Hessen e.V.,

liebe Mitglieder von EX-IN Hessen e.V.,

am 17. Oktober hat unsere Infoveranstaltung für den Kurs zur Ausbildung von EX-IN-GenesungsbegleiterInnen stattgefunden. Es sind aus ganz Hessen zwischen 50 und 60 Interessierte nach Marburg in den Rathaussaal gekommen. Das Kurs-Trainer-Team bestehend aus Bettina Jahnke (Bonn),Tom Klein (Frankfurt) und Mario Wagenbrenner (Nürnberg) hat sich vorgestellt und über die Aubildungsinhalte informiert und anschließend über die praktische Durchführung (Wie kann ich das finanzieren? Was ist, wenn ich wieder krank werde? U.a.) diskutiert.

Ein weiterer Informationsabend ist in Planung.

Am 30. November hat eine Mitgliederversammlung des Vereins stattgefunden.

Der Vorstand berichtete von seiner Tätigkeit hinsichtlich der Etablierung des Vereins, der Kursplanung, des Internetauftrittes und seiner sonstigen Tätigkeiten. Da die bisherige zweite Vorsitzende ihr Amt zur Verfügung gestellt hatte, wurde ein neuer zweiter Vorsitz gesucht. Silke Behring, bisher Beisitzerin im Vorstand, stellte sich zur Verfügung, wurde von allen Anwesenden mit Ja-Stimme gewählt und nahm die Wahl dankend an. (Danke für Euer Ihr Vertrauen!)

Der geplante EX-IN-Kurs wird auf dem Klinikgelände der Uniklinik am Ortenberg in Marburg ganz in der Nähe des Bahnhofes stattfinden.

Wir danken der HDGSP für ihre finanzielle Unterstützung des Vereins.

Ich wünsche Ihnen/Euch eine gesegnete Adventszeit.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Silke Behring
2. Vorsitznende, Wächtersbach
EX-IN Hessen e.V.
Vorsitzender: Andreas Jung, Marburg
Finanzen: Jan Kemmler, Marburg

Newsletter Nr. 3

“Im Fluss des Lebens gibt es viele Strömungen, Strudel und andere Gefahrenquellen.

Niemand befindet sich jemals am sicheren Ufer. Gesund im Sinne von Salutogenese

bedeutet in dieser Situation ein guter Schwimmer zu werden.”

(Aaron Antonovsky Salutogenese)

 

In Bezug auf unser Kursangebot, das im März startet, ist und häufig die Angst vor Veränderungen begegnet. Andreas Jung und ich, Silke Behring, haben gemeinsam über diese Angst gesprochen und Andreas Jung hat dann den folgenden Text verfasst. Es sind Gedanken zum Thema “Veränderung bei psychischer Erkrankung”.

Psychisch kranke Menschen haben häufig mehr Angst vor Veränderungen, als Menschen ohne seelische Handicaps. Aber auch dort ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Diese Angst hängt damit zusammen, dass wir stabil bleiben wollen, wenn wir es denn nicht sind. Die ganze sozialpsychiatrische Praxis ist meist auf gesundheitliche Stabilität fixiert. Das hemmt und blockiert oft solche notwendigen Entwicklungen, die bedeuten, dass der Durchlauf durch psychische Krisen eine wirkliche Gesundung erst möglich macht. Umso heftiger fällt dann bei der vermeintlichen Stabilität die Erkrankung nachher aus. Wirklich stabil im Sinne von gesund bleiben kann nur der, der sich verändert. EX-IN ist aber eine Praxis der Veränderung und zwar einer Veränderung die durch Dialoge, Rollenspiele und persönliche Entscheidungen herbeigeführt wird und zwar als etwas was Menschen gemeinsam tun und erleben. Entwicklung ist auch ein Zustand des Glücks.

Rollenwechsel – das ist eine der häufigsten Ängste, die Menschen bei der EX-IN Ausbildung haben. Niemand ist nur krank oder nur gesund. Insofern trägt der Rollenwechsel einer Tatsache Rechnung, die eigentlich für jeden gilt. Menschen die sich nur für krank halten, stigmatisieren sich selbst. Das wirkt sich fast aus wie eine zweite Erkrankung und führt dazu, dass sie aus der ihnen zugewiesenen Rolle nicht herauskommen. Das ist nicht nur diskriminierend, sondern führt dazu, dass wir keine wirkliche Chance auf Genesung haben. Der Rollenwechsel macht es möglich, sich selbst als gesund zu erfahren, und gleichzeitig nimmt er die Krankheit des Gegenübers als Chance war, dass es bei Ihm nicht so bleiben muß und dass die Erkrankung auch einen Schatz enthält, der geborgen werden will. Die EX-IN Ausbildung ist für eine derartige Schatzsuche die beste Voraussetzung.

Angst vor Überforderung. Psychiatrierfahrene bringen ihre Krisen oft in Verbindung mit Überforderung. Daraus folgt meist, dass man ihnen Nichts oder nur noch sehr wenig zutraut, um ihren Lebenszusammenhang möglichst stabil zu halten. Eine solche Stabilität führt aber dazu, dass ein Mensch seine Würde verliert. Mensch sein bedeutet, auch sich einem Wagnis auszusetzen und ein begrenztes Risiko in Kauf zu nehmen. Nicht jeder Krankenhausaufenthalt ist ein Drama, sondern er kann im Gegenteil auch eine Resource für eigene Weiterentwicklungen sein.

Die EX-IN Kurse machen in der Regel großen Spaß. Humor ist dabei ein wichtiges Mittel, sich mit anderen zu verändern, und Vergangenes kann dann von einem abfallen wie Schlacke. Wem es zu nah wird, hat jederzeit die Möglichkeit sich herauszunehmen und den andern auch Grenzen aufzuzeigen. Halt hier bin ich! Es wird jederzeit die Grenze der Einzelperson respektiert.

Ich selbst mache gerade die Erfahrung, dass mich eine Krise erwischt hat. Ich erlebe das aber gar nicht als dramatisch. Es gehört für mich dazu, dass ich mich durch diese Krise weiterentwickele. Ich mache ganz andere Erfahrungen im Krankenhaus mit der “anderen” Haltung, die ich mitbringe. Es zeigt sich für mich – schon ohne Kurs – dass ich ein viel größeres Maß an Selbstwirksamkeit empfinde als jemals zuvor.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Silke Behring
2. Vorsitznende, Wächtersbach
EX-IN Hessen e.V.
Vorsitzender: Andreas Jung, Marburg
Finanzen: Jan Kemmler, Marburg

Newsletter Nr. 4

„Denn wir alle – auch die Profis-

 kennen nur das wirklich,

was wir selbst erfahren haben.“

 (Dorothea Buck; Euthanasie damals, Trialog heute:

Frauen in ver-rückten Lebenswelten, 1999)

Liebe Freunde von EX-IN Hessen e.V.,

sehr geehrte Damen und Herren,

was Dorothea Buck vor 15 Jahren schrieb, ist auch unsere heutige Erfahrung. Aber wir wollen nicht allein in unserer Erfahrung stecken bleiben, sondern Erfahrung teilbar machen. Wir wollen durch die Erfahrung anderer selbst eine Erfahrung machen, um unser Erfahrungswissen zu erweitern.

Dass das in einem hessischen EX-IN-Kurs möglich wird, ist bald Realität. Der Kurs ist fast voll. Es sind noch wenige Plätze frei. Damit diese auch noch die Möglichkeit finden, besetzt zu werden, haben wir das Ende der Bewerbungsfrist um zwei Wochen auf den 15. Februar 2014 verschoben. Die Auswahlgespräche werden dann vom 27.-29. März stattfinden, sodass alle Kurstermine sich um eines nach hinten verschieben. Der Start des Kurses wird dann am 24.04.2014 sein.

Dass EX-IN-Ausbildungen für Menschen mit psychischer Erkrankung eine persönliche und auch berufliche Perspektive bieten, konnte in dem Artikel, der am 23. Januar dieses Jahres in der Frankfurter Rundschau erschienen ist, auch der interessierten hessischen Öffentlichkeit deutlich werden. Der Artikel ist im Anhang zu finden.

Wir, EX-IN Hessen e.V., freuen uns auf das Jahr 2014 und hoffen, dass wir die Gedanken von EX-IN möglichst vielen Betroffenen von Psychiatrie und Sozialpsychiatrie bekannt und erlebbar machen können.

Im Namen des Vorstandes grüßte Euch/ grüßt Sie ganz herzlich

Silke Behring
i.A. von EX-IN Hessen e.V.

 

Newsletter Nr. 5

„Individuell und kollektiv haben wir es abgelehnt, den Bildern der Verzweiflung, die so oft mit psychischen Krankheiten in Verbindung gebracht werden, zu erliegen. Wir sind eine Verschwörung der Hoffnung und stemmen uns gegen die Flut der Unterdrückung, welche seit Jahrhunderten das Erbe derjenigen von uns ist, die als psychisch krank bezeichnet werden. Wir lehnen es ab, Menschen auf ihre Krankheiten zu reduzieren.“

Pat Deegan, Begründerin der Recovery-Bewegung

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde von EX-IN Hessen e.V.,

wir wollen auch nicht der Verzweiflung erliegen, dass es für psychisch erkrankte Menschen keine Hoffnung gibt. Deshalb haben wir nun genau vor einem Jahr unseren Verein in Marburg gegründet und feiern heute unseren ersten Geburtstag. In diesem ersten Jahr ist vieles geschehen: wir wurden als gemeinnützig anerkannt und haben einen EX-IN-Kurs geplant.

Heute – nach einem Jahr – können wir fröhlich sagen: „Er findet statt!“. Ca. 20 TeilnehmerInnen werden Ende April mit ihrer Ausbildung zum/r GenesungsbegleiterIn beginnen. Dass das möglich war, haben wir uns nicht allein selbst zu verdanken. Allen, die uns ihre Unterstützung zuteil werden ließen, sei hier gedankt.

Wir machen uns auf den Weg! Das ist eine Grundvoraussetzung von Recovery: nicht stehen oder liegen zu bleiben, sondern sich aufzumachen. Recovery bedeutet so etwas wie „Gesundungsweg“. Psychische Erkrankung ist auf diesem Weg kein Hindernis, sondern bietet eine wertvolle Erfahrung, die ich selbst gemacht habe, in der ich einen Sinn und tiefe Bedeutung für mich sehe. Ich brauche mich dieser Erfahrung nicht zu schämen, sondern sehe sie als eine Basis für mein zukünftiges Leben. Auch wenn ich neue Krankheitserfahrungen mache, dienen auch diese wiederum dazu, mich selbst besser kennen zu lernen und sie in meine Lebens- und Gesundungserfahrung einzubinden. Jede Krise ist eine neue Chance. Dabei ist eines ganz wichtig: Nie die Hoffnung aus den Augen zu verlieren. Dabei brauche ich den Glauben an mich selbst und auch Menschen die an meiner statt daran glauben, dass ich die Kraft in mir trage zu gesunden. Mein Leben muss nicht traurig sein, weil ein Teil davon beschädigt/ zeitweise beschädigt ist. Ich kann es mir erlauben, trotzdem ein zufriedenes und erfülltes Leben zu führen – in dem Rahmen, in dem ich das eben kann. Dazu ist es wichtig, dass ich Experte/in in eigener Sache werde. Nur ich weiß, was mir auf dem Weg der Genesung hilft. Kein/e andere/r kann das für mich entscheiden, wie dieser Weg verläuft. Nur ich kann danach suchen, was mir und meinem Dasein Sinn verleiht.

Machen wir uns auf die Suche – egal ob allein oder mit anderen. Recovery ist möglich!

Es grüßt Sie/Euch
Silke Behring
i.A. von EX-IN Hessen e.V.

 

Newsletter Nr. 6

Liebe Freunde von EX-IN Hessen e.V.,

sehr geehrte Damen und Herren,

am 16. Mai 2015 wird in Marburg in den Räumen der Tagesstätte ZAK die Vollversammlung unseres Vereins stattfinden. Alle Mitglieder und Freunde des Vereins sind herzlich eingeladen. Es stehen Vorstandswahlen, der Bericht des Vorstandes und die Kassenprüfung an. Bis dahin ist auch der erste Kurs zur Ausbildung von Genesungsbegleitern erfolgreich zu Ende gegangen.

Da stellt sich die Frage, welche Kompetenzen ausgebildete Genesungsbegleiter übernehmen können?

Andreas Jung, der Vorsitzende des EX-IN Hessen Vereins, hat im vergangenen Jahr als Genesungsbegleiter im Sozialamt in Marburg gearbeitet. Seine Erfahrungen – hauptsächlich mit Menschen, die an einer Abhängigkeitserkrankung litten und die häufig um die Anerkennung ihrer zweiten Diagnose kämpfen (Sozial- und Gesundheitsamt)- hat er in einem Bericht niedergeschrieben, den wir als Verein in Zusammenfassung an euch/ Sie senden möchten, um einmal darzustellen, welche Aufgaben ein Genesungsbegleiter übernehmen kann:

Die Arbeit des Genesungsbegleiters als ehemals Betroffener macht partnerschaftliches Handeln durch professionelle Nähe (Erfahrungsnähe) möglich. Sie dient einer inklusiven Gesundheitsförderung, ohne dass der Staat Kontrolle ausübt.

Im Umgang mit Klienten ist zuallererst die regelmäßige Kontaktaufnahme zu nennen. Diese Kontakte sind Besuche in der Wohnung des Klienten, Telefonate und auch Gespräche im EX-IN Büro. Ist der Klient im Krankenhaus, wird er dort regelmäßig besucht.

Neben diesen Besuchen unterstützt der Genesungsbegleiter den Betroffenen auch bei der Kontaktaufnahme zu Ärzten. Insbesondere die Kontaktaufnahme zum Hausarzt ist wichtig, da dieser für viele die einzige Vertrauensperson darstellt. Nicht wenige Klienten leiden unter Mangelerscheinungen, hygienischen Problemen, fehlenden Zähnen und fehlendem Zahnersatz. Unter Wahrung der Schamgrenze kann hier der Genesungsbegleiter in Zusammenarbeit mit dem Klienten und den Ärzten präventiv gegen Stigmatisierung tätig werden.

Der Genesungsbegleiter kann, wenn der Klient dies wünscht, auch Kontakt mit Selbsthilfeeinrichtungen, Trialogen und anderen Gruppen für psychisch Gehandicapte aufnehmen und den Klienten begleiten. Solche Gruppen stärken die Selbstbefähigung (Empowerment) durch die Aufwertung des Erfahrungsschatzes der Betroffenen. Manchmal wird dort auch der Wunsch nach therapeutischer Begleitung wach, den der Genesungsbegleiter unterstützt.

Aufgabe des Genesungsbegleiters kann auch die Kontaktaufnahme und Konfliktbegradigung mit Vermietern sein. Oberste Präferenz ist dabei, eine Mietkündigung zu verhindern, zumal wenn dies Obdachlosigkeit zur Folge haben könnte. Manche Betroffene habe Messi ähnliche Zustände in der Wohnung, die auf Dauer eingedämmt und langfristig verhindert werden müssen. Eine Haushaltshilfe oder eine Betreuung lehnen viele Klienten ab. Aber psychisch erkrankte Menschen, in diesem Fall hauptsächlich Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, haben das Recht auf eine Wohnung, die ihnen ein Mindestmaß an Stabilität gibt.

Beschäftigungmöglichkeiten kann der Genesungsbegleiter mit dem Klienten erörtern. Dies kann der Besuch einer Tagesstätte oder einer Rehawerkstatt sein. In der Tagesstätte hat der Klient die Möglichkeit einfach nur dazusein. Der Nachteil besteht allerdings darin, dass es meist keine Fortbildung der Nutzer hinsichtlich einer Vernetzung von Biografiearbeit und alternativen Gesundheitsmodellen (Salutogenese) gibt. Bei Rehawerkstätten muss der Kontakt zu den Rentenversicherungsträgern oder zum Arbeitsamt aufgenommen werden, damit der Klient teilnehmen darf. Die Inklusion wird durch eine mögliche Rente der Rehabilitanden erstrebt. Viele Schwerbehinderte wissen allerdings nicht, ob sie aufgrund ihrer Handicaps dieses Ziel je erreichen, ob sie die manchmal monotone Arbeit bewältigen und wie sie die Wartezeit bis zur Aufnahme überbrücken. Inklusive Beschäftigung kann auch die Teilnahme an einem Projekt sein, das keine Sonderwelt für den Betroffenen schafft, sondern ihm ermöglicht selbstbestimmt an einem Arbeitsplatz tätig zu werden. Der Betroffene geht auf einen normalen Arbeitsplatz, den er vorschlägt, damit die Begleiter in seinem Sinne tätig werden können.

Der Genesungsbegleiter kann seinen Klienten auch als Fürsprecher zu Behörden begleiten, da manchen die Fähigkeit für sich zu sprechen aufgrund von Ängsten fehlt oder nie bestanden hat.

EX-IN Genesungsbegleiter arbeiten, wenn es geht, immer trialogisch. Angehörige sind oft eine der wenigen Türen zum Klienten. Wichtig ist im Kontakt zu Ihnen, einen Prozess der Entschuldung des schlechten Gewissens zugunsten von Verantwortung zu bewirken.

Der Genesungsbegleiter und sein Klient profitieren von einer guten Verzahnung von Genesungsbegleiter zu den sozialen Diensten der Behörden. Manchmal kommt es zu Differenzen mit Sachbearbeitern. Hilfreich können regelmäßige Kurzberichte über den Klienten sein. Wenn juristische Probleme im Spiel sind, sind solche Berichte besonders wichtig. Gegebenenfalls muss auch ein Rechtsbeistand eingebunden werden. Dabei kann der Genesungsbegleiter mit dem Klienten zusammen einen Beratungsschein beantragen.

Bei einer längeren Zusammenarbeit können auch Genesungspläne aufgestellt werden. Sie geben die Möglichkeit, die eigenen Genesungswünsche zu planen (Recovery) und den Recoveryprozess selbstbestimmt mitzugestalten. Auch die Frage nach dem Sinn der Erkrankung, die der Klient stellt, kann mit dem Genesungsbegleiter erörtert werden. Wenn Klienten sich selbst aufgeben, hat der Begleiter die Aufgabe, stellvertretend für ihn auf einen Fortschritt der Genesung zu hoffen.

Ich hoffe, wir konnten hier die Arbeit eines Genesungsbegleiters anhand der Erfahrung von Andreas Jung klar umreißen.

Es grüßt euch/Sie

i.A. Silke Behring

2. Vorsitzende von EX-IN Hessen e.V.

 

EX-IN Hessen e.V.
Erlenring 20
35037 Marburg
www.ex-in-hessen.org